
Und erstens kommt es anders und zweitens als man es vorab bloggt. Gerade mal drei Couchen durfte ich beschlafen, bevor ich mein eigenes Bett in einer neuen Stadt aufgestellt habe. Das war anders geplant. Es war auch nicht geplant diesen Blog ein Jahr in Winterschlaf zu schicken. Auf jeden Fall war es nicht geplant das druckkopfkino einzufrieren. Und deswegen schreit euer RSS-Reader wieder.
Bevor es hier wieder Meinungen über Berichte aus der Turing-Galaxis gibt, will ich meine Leser auf den Stand bringen, was im letzten Jahr in Wirklichkeit passiert ist. Zwei Tage nach meinem letzten Beitrag schrieb ich die Mail, auf Grund derer ich zwei Wochen später in dem Raum mit der Kalaschnikow-Lampe saß. Vier Wochen darauf wurde der Konferenzledersessel unter meinem Hintern gegen einen Bürodrehstuhl getauscht und ich war angekommen in der Welt der Schulterblicke, Telkos, Statuscalls und Konfis.
Seit dem verbringe ich die meiste Zeit des Tages damit Konzepte für online-Projekte einer großen deutschen Agentur zu schreiben. Ohne Aufforderung gehe ich nicht darauf ein, welchen Teil im Projektablauf ein Online-Konzepter genau übernimmt. Wenn meine Leser Interessiere daran bekunden, werde ich natürlich gerne alle schmutzigen Details vor euch ausbreiten. Lasst mir einfach einen Kommentar unter diesem Artikel da und ich leg los.
[Pic related: Der Ausblick der Konferenzräume der Agentur.]
Long time no see. Ja, ich bin vom Schlag derer, die auf solche Trivialitäten hinweisen. Is doch albern so zu tun als wäre nichts gewesen, nachdem ich mich einen Monat nicht gemeldet habe.
Um die Begründung kurz zu machen: Ich bin ausgezogen. Vor wenigen Monaten dachte ich bis Mitte August zu wissen, in welche Stadt ich ziehen werde. Heute weiß ich’s besser. Deswegen liegt der Haufen sorgfältig ausgewählter Wertlosigkeiten, die ich mein Eigentum nenne, in Kisten sind verstaut in Schränken stehen im Keller eines ehemaligen Nachbarn. Mein Bett habe ich gegen die Wohnzimmercouchen der Nationen eingetauscht und meine Miete gegen Spritgeld.

Wer mich schon immer mal kennen lernen wollte, bekommt dadurch JETZT die Möglichkeit mir seine Wohnzimmercouch zum drauf schlafen anzubieten. Ich werde mich durch die Zubereitung warmer Mahlzeiten für alle Bewohner, eine gute Geschichte und ein paar Hand voll Kästen Bier/Spezi/Wein (sobald im Auto wieder Platz dafür ist) erkenntlich zeigen. Deal?
Wo ich mich rumtreibe ist hoffentlich aus diesen Seiten ersichtlich. Zur Zeit ist’s noch Würzburg. Hier sind noch ein paar lose Enden zu verknüpfen. Ende der Woche geht’s dann nach München. Dort warten einige gute Freunde darauf, mich mal wieder zu sehen um zusammen zu spielen. Generell bin ich in der Wahl der Stadt, in der ich mich aufhalte, so flexibel wie mein Auto mobil ist – oder ein sorgfältig ausgewähltes Passagierflugzeug. Nichts wird mich aufhalten auch in Deine Stadt zu kommen.
Nichts! Muhaha! Das wird ein Spaß!

Eine schöne Seite am Studium: Der geneigte Designstudent kann seiner Liebe zu provozierenden Arbeiten oder politischen Aussagen freien Lauf lassen. Die Kehrseite an der Zeit nach dem Studium: Der geneigte Designstudent kann nicht wissen, welche Arbeit welche Agentur an- oder abtörnt. Kreativ sind wir ja alle und um die Ecke denken können wir auch alle und Spaß an Provokation haben wir… nun.. nicht alle.
Was macht der Designstudent dann mit Arbeiten, die gut gedacht sind aber zu direkt für das eigene Portfolio? Was macht er mit den Arbeiten, die er cool findet, für die er aber nicht die Zeit gefunden hat, ihnen das Finish zu verpassen, das sie verdient haben?
Kann ich auch nicht beantworten. Deswegen jetzt zu was völlig anderem: Beim Durchstöbern meiner Projektordner nach repräsentativen Textarbeiten bin ich auf dieses fast schon vergessene Projekt aus dem letzten Sommer gestoßen. Begonnen hat die Entwicklung als eine Antwort auf die Arroganz der Alt-68er, die an unserer Hochschule für das Symposium 1968 heute gastierten. Wir waren die ganze Zeit aktiv und produktiv. Da wir aber lieber unsere Kommilitonen motiviert haben ihre politsche Meinung zu äußern anstatt ein Magazin über die Typographie der 1960er Jahre zu machen, habe ich jetzt nichts aus diesem Semester in der Hand, dass ich Interessierten unter die Nase halten kann.
Es gäbe da diesen knapp zwei Quadratmeter großen Beweis, dass die sexuelle Revolution keinen Fortschritt in der Gesellschaft gebracht hat – das Risiko damit jemanden zu verstören anstatt zu begeistern ist allerdings äußerst hoch. Irgendwo am Rand sind noch De-Branding Arbeiten entstanden. Zu verstehen sind sie als ein Aufruf an alle Generationen sich Gedanken über die eigenen und die fremd bestimmten Idole zu machen. Bei denen bin ich mir unsicher an welchem Platz in der gut-schlecht-fertig-unfertig-Dimension sie stehen.

Die Stadtarchitektur ist kein Grund, Chemnitz zu besuchen. Die Medientage schon.
Auf zwei Tage verteilt tragen Studierende und Absolventen ihre Meinungen und Forschungsergebnisse zu einem jährlich variierenden Thema dar. Wie der Name der Konferenz, die von Studenten der Medienkommunikation initiiert und organisiert wird, vermuten lässt, bewegt sich das Thema stets im Feld der Medientheorie. Die Website des Projekts wirbt für sich selbst damit, jungen Menschen eine Möglichkeit zu bieten, erste Konferenzerfahrungen zu sammeln. Dementsprechend schwankt die Qualität der Vorträge von hammergeil und sau-interessant zu schwer zugänglich und lahm – ohne dabei jemals gänzlich abzurutschen. Ein großer Pluspunkt der mit diesem Spiel einhergeht: Die Referenten bleiben für die Gäste erreichbar, der einzelne Besucher hat die Gelegenheit mit Ihnen abseits der Vorträge zu diskutieren, kritisieren und palavern. Förderlich für den Austausch ist das entspannte und kollegiale Klima, das die Chemnitzer verbreiten. Vielleicht liegt es daran, dass man sich unter Studenten bewegt, vielleicht aber auch an der Hingabe, die das Organisations-Team für ihr Kind an den Tag legt. Kudos für eine professionelle Veranstaltung mit geringsten Mitteln!
Unter dem Motto “ich surfe also bin ich” drehten sich die Vorträge – nah an der gleichzeitig statt gefunden habenden re:publica – um blogs, streams, tweets, pages, zines, services und communitys. Überrascht war ich dabei, nicht aufgewärmte Kritik über die Anonymität des Internets zu hören. Statt dessen gab es Erfahrungsberichte über die Stemmung eigener Online-Projekte und Betrachtungen zu der Zukunft des Internets – ausgehend davon, dass wir uns von den Möglichkeiten die das Schlagwort Web2.0 mit sich bringt langsam erholen dürfen.
Besonders Aufgefallen sind mir die Vorträge von David Füleki & Julian Wenzel über das Zusammenspiel von Fanservice und Fansomes, sowie die Abrechnung des Berliner Teams Wildcards mit der blog-Kultur deutscher Zeitungen. Mit etwas Glück gibt es in Zukunft über eines der beiden Projekte hier mehr zu lesen.
An alle die in Chemnitz dabei waren schicke ich ein augenzwinkerndes Plopp! und Danke! für ein unterhaltsames und interessantes Wochenende.