Monthly Archive for Dezember, 2008

as time goes by

Internet im Brockhau

Die Zeit zwischen den Tagen verbringe ich in München, dort wo Familie und jede Menge Freunde wohnen. Die Arbeit am Diplom kann derweil natürlich nicht schlafen. Die letzten Tage habe ich viel Zeit damit verbracht, die von mir im Internet recherchierten Daten zur Mediengeschichte in einschlägigen Nachschlagewerken gegen zu checken.

Mit einschlägigen Nachschlagewerken meine ich vor allem die 19. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Mit Ledereinband und Goldbeschichtung. Aus eben jenem stammt das Foto am oberen ende dieses Beitrags. Der erste, der errät, welchen Begriff ich zwischen “interner Zinssatz” und”interne Wellen” gehofft hatte zu finden, bekommt einen Gutchein für das erste druckkopfkino-T-Shirt — sollte es jemals eins geben.

Auch wenn die 19. Auflage auf das Jahr 1989 datiert ist, bin ich doch etwas verwundert, dass der gesucht Begriff gar nicht auftaucht. Abgesehen über Lücken in Enzyklopedien konnte ich in den letzten Tagen folgendes lernen:
(1.) Wikipedia ist akkurater als die weit verbreitete Meinung sich zugeben traut. Von den 80 Daten habe ich nur zwei um jeweils ein Jahr korrigiert. Und beide Fälle waren “in dubio pro Druck”-Entscheidungen
(2.) Gedruckte Enzyklopädien sind unglaublich umständlich. Ohne die Möglichkeit des Hyperlinks wird weiteres Nachschlagen zu einer ewigen Aufgabe des Blätterns und Bücher aus dem Regal Ziehens. Ich sage nur “Telefon siehe ->Fernsprecher.”
(3.) Das Wikipedia-Phänomen gab es schon immer. Auf der Suche nach Druck wird der neugierig Suchende auch die Artikel zu Dromedar und Dreyfussaffäre lesen.

craft of warworld

links ist 1410, rechts 2008, weiß ist Krieg

^Das wäre dann mein Tageswerk.^ Eine Grafik aller seit 1410 geführten Kriege, eingebaut in die Entwicklungsgrafik der Medientechnologien. Links ist 1410, rechts 2008. Der Untergrund ist schwarz. Jeder Krieg färbt den schwarzen Hintergrund 10% weißer – in der Zeit, in der er statt findet. Quelle ist in diesem Fall eine Wikipedia-Liste.

Der eigentliche Plan war aus dem Verhältnis von real erlebten Kriegen und medial vermittelten einen Bezug zur allgemein Situation der (Massen-)Medialisierung aufzustellen. Zur Zeit lässt sich erstmal was über den Verlauf der Auseinandersetzung bewaffneter Konflikte aussagen – dachte ich zunächst.

Nach der Grafik lässt sich ja auf einen Anstieg der bewaffneten Konflikte in den letzten Jahrzehnten schließen. Irak-Krieg hin oder her, kam mir das von Anfang an spanisch vor, schließlich leben wir in einer Zeit, in der Frieden als Normalzustand angesehen wird, was im frühen Mittelalter nicht der Fall war. Die Erkenntnis: Die Grafik ist so schon ein Beleg für den Einfluss der Medien auf unser Weltbild. In der Grafik tauchen schließlich nicht alle Kriege auf, die seit 1410 geführt worden sind, sondern alle, die seit 1410 dokumentiert sind. Da sind bestimmt nicht alle aztekischen Stammesfehden erfasst, wohl aber der Fußballkrieg.

Schritt für Schritt

558 Jahre Medienentwicklung auf 480 Pixel

558 Jahre Medienentwicklung auf 480 Pixel Breite: ^So sieht’s aus.^
Wer mit dem hauptsächlich schwarzen Bild nichts anfangen kann: Auf einer Zeitleiste von links nach rechts sind bedeutende technologische Entwicklungen aufgetragen, die für menschliche Kommunikation von Relevanz ist. Jede Entwicklung wird durch einen Strich dargestellt. Jede Entwicklung eine Zeile länge als die Vorhergehende. Ausschlaggebend für diie Jahreszahl ist eher das Jahr der Marktreife, denn das Jahr der theoretischen Entwicklung, und eher für den europäischen Kontinent, denn für den Rest der Welt (Asien hat eine sehr lange Zeit eine parallele, unabhängige Entwicklung durchschritten). Wie man sehen kann, häufen sich die Errungenschaften im letzten Viertel.

Wer einen Klick wagt, darf eine größere Version der Grafik sehen – wenn er erwarten kann, bis die 2 MB herunter geladen sind… Dort kann man noch eine kleine Anzahl ausgewählter Kulturgeschichtlicher Ereignisse erkennen.
Wollt ich mal hergezeigt haben. Wem es zu müssig ist das Bild runterzuladen, dem seien die Daten hier als Liste gegeben. Fehlt was?

1450 Buchdruck mit beweglichen Lettern
1605 Zeitung
1712 Dampfmaschine
1748 metallene Schreibfeder
1783 Heißluftballonflug
1826 Fotografie
1832 Strom
1935 Tonband
1835 erste Zugfahrt
1837 Morsetelegraph
1853 Streckennetz zwischen den größten Städten vorhanden
1864 Fahrrad
1865 Fax
1866 Transatlantiktelegrafie
1876 Telefon
1876 Ottomotor
1979 elektrische Straßenbahn
1880 Edissons Glühlampe
1881 erste telefonischen Stadtnetze 1881
1887 Grammophon
1887 erste Autoproduktion
1888 Rollfilmkamera, Filmentwicklungsservice
1891 erste kontrollierte Flüge
1895 Omnibus
1895 Cinematoghraph
1900 Starrrluftschiff
1919 Verkehrsflugzeug
1919 regelmäßige Radioprogramme
1928 Leuchtstofflampe
1928 Start des Fernsehens
1936 Foto-Farbfilm
1937 Zuse Z1, erster Computer
1938 Kugelschreiber
1943 Langstrecken und Transkontinental-Verkehrsflugzeug
1946 ENIAC, erster digitaler, elektronischer Rechner
1948 Vinyl-Schallplatte
1952 A-Netz
1962 LED
1963 Compact Cassette
1969 ARPANET
1969 Erstflug der Boing 747
1973 Magnetschwebebahn
1973 Xerox Alto, erster PC
1976 kommerzielle Digitalkamera
1976 VHS
1978 TCP/IP
1979 Tabellenkalkulation
1981 Compact Disc
1982 Laptop
1984 Email, Deutschland
1986 erste kommerzielle ISP
1990 Photoshop 1.0
1991 miniDisc
1991 D-Netz / GSM
1993 CD-Brenner
1995 mp3
1995 Canon EOS DCS3, DSLR
1995 GPS (Global Positioning System=)
1995 DVD
1996 APS (Advanced Foto System)
1996 Powershot 600 (erste Powershot)
1998 Start von google
2000 Dial-Up-Flatrate
2000 Fotohandy
2001 Wikipedia
2001 bluetooth
2002 Blue-ray Disc
2003 myspace
2004 UMTS
2004 flickr
2004 erste deutsche Telefonflat
2005 youtube
2006 Canon EOS 400D (belilebteste D-SLR bei flickr)

Winterputz

Jetzt wird aufgeräumt. Die Seite ist nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr aktuell, die Diplompläne wurden mindestens einmal komplett verworfen und neu gestaltet. Nachdem ich nicht das Gefühl habe, jemand habe sich wirklich in die bisherigen Pläne eingelesen, spare ich mir die Überleitung von den alten auf die neuen Pläne und starte mit einer Einführung in aktuelle Gedanken.

Die Arbeit soll einige Punkte in Bezug auf den Einfluss von Medien auf das soziale Leben des Menschen klar stellen:

\\ Medien beeinflussen soziale Strukturen und persönliche Erfahrung.
\\ Die aktuelle Entwicklung der Medientechnik befreien den Konsumenten (Rezipienten) aus seiner Rolle als Empfänger und emanzipieren ihn zum gleich berechtigten Akteur in der Gestaltung seiner medialen Umwelt.
\\ Damit dringt der Konsument (Amateur) in ein Aufgabengebiet vor, das bisher von professionellen Gestaltern besetzt war.
\\ Das nimmt professionellen Gestaltern nicht komplett ihre Arbeit weg. Es gibt immer noch genug Information, da draußen, die nur durch die Aufbereitung eines professionellen Gestalters in verständliches Wissen verwandelt werden kann.
\\ die Synchronität der aktuellen Medien und die Emanzipierung des Konsumenten kann als Werkzeug dienen wenn man sie nicht als Bedrohung sieht.

Meine Erkenntnisse werde ich dem geneigten Rezipienten dadurch deutlich machen, dass sie aus einer Beobachtung der Medienentwicklung abgeleitet werden. Medien erweitern das Weltbild eines Menschen, indem sie ihm die Möglichkeit geben über die Begrenzung seiner Sinnesorgane hin Erfahrungen zu sammeln. Der Buchdruck gibt ihm die Möglichkeit Sätze von Menschen wahrzunehmen, die nicht in Hörreichweite sind. Die Fotografie gibt ihm die Möglichkeit Orte zu sehen, zu denen die physikalische Welt ihm die Sicht versperrt. Das Telefon gibt uns die Möglichkeit mit Menschen zu sprechen die… das Fernsehen… Massenmedien… Medien der Massen….

Und wie soll das nun aussehen? Zur Zeit so:

Stand der Arbeit vom  4.12.

Was das zu sagen hat erkläre ich im nächsten Beitrag. Oder im übernächsten. Zur Zeit bin ich noch auf der Suche nach einer Möglilchkeit die Entwicklung der Medientechnik seit 1450 in einer Zahl zu messen. Vorschläge akkzeptiere ich gerne.