
Wien is cool. Nicht „cool“ im Sinne von „Duke Nukem“. Mehr “cool” im Sinne von…
was ich sagen will: Die Stadt ist nicht langweilig oder belanglos. Auch für eine Millionen- und Hauptstadt ist das nicht selbstverständlich. Auf der einen Seite ist die Stadt natürlich schwanger an Geschichte. Aus irgendeinem Grund steht hier noch viel Architektur, die in Deutschland zu meist erfolgreich weggebommt wurde. Als ich die dritte Straße am Stück an ornamentbeladenen Altbauten vorbei gefahren bin, beschlich mich das Gefühl, Adolf Loos’ Provokation nachvollziehen zu können. Und das finde ich wieder cool. Die Hauptstadt der kleinen Alpenrepublik diente als Gebärmutter der wahrscheinlich größten Revolution der Architektur überhaupt.
Das ist keine Entwicklung, die sich aktuell wiederholt. Allerdings hat’s in dieser Stadt mindestens eine Hand voll interessanter moderner jüngerer Gebäude – bzw. Gebäude, die in jüngerer Zeit entstanden sind. Der Begriff modern ist architekturgeschichtlich stark vorbelastet. Von meinem Hotelzimmer aus habe ich einen guten Blick auf das UNIQA-Gebäude, dessen Fassade mit ungefähr 160.000 LEDs bestückt ist. Aus der Nähe wirken deren wechselnden Farben wir eine Energie verschwenderische Spinnerei, aus wenig Entfernung bereits, scheint das Gebäude direkt aus einer beliebigen Science-Fiction kopiert und an einem Platz eingefügt worden zu sein. Undenkbar in anderen Städten, sagen wir Würzburg zum Beispiel, reiht es sich hier ganz selbst verständlich in die architektonische Landschaft. Selbstverständlich wie das Wieder Selbstbewusstsein, übrigens. Auf einen Plakat gegen Einkaufwagenentführung (sic!) wird eben jeder Meilenstein der Technik charmant als Einkaufswagerl bezeichnet.
Wien is irgendwie cool. Nicht „cool“ wie in „Duke Nukem“. „Cool“ wie in „nett“ vielleicht. Nicht das „nett“, das der kleine Bruder von Scheiße ist. Ich denke an die große Schwester von “süß”.

