Monthly Archive for März, 2009

AT-9

Wien is cool. Nicht „cool“ im Sinne von „Duke Nukem“. Mehr “cool” im Sinne von…

was ich sagen will: Die Stadt ist nicht langweilig oder belanglos. Auch für eine Millionen- und Hauptstadt ist das nicht selbstverständlich. Auf der einen Seite ist die Stadt natürlich schwanger an Geschichte. Aus irgendeinem Grund steht hier noch viel Architektur, die in Deutschland zu meist erfolgreich weggebommt wurde. Als ich die dritte Straße am Stück an ornamentbeladenen Altbauten vorbei gefahren bin, beschlich mich das Gefühl, Adolf Loos’ Provokation nachvollziehen zu können. Und das finde ich wieder cool. Die Hauptstadt der kleinen Alpenrepublik diente als Gebärmutter der wahrscheinlich größten Revolution der Architektur überhaupt.

Das ist keine Entwicklung, die sich aktuell wiederholt. Allerdings hat’s in dieser Stadt mindestens eine Hand voll interessanter moderner jüngerer Gebäude – bzw. Gebäude, die in jüngerer Zeit entstanden sind. Der Begriff modern ist architekturgeschichtlich stark vorbelastet. Von meinem Hotelzimmer aus habe ich einen guten Blick auf das UNIQA-Gebäude, dessen Fassade mit ungefähr 160.000 LEDs bestückt ist. Aus der Nähe wirken deren wechselnden Farben wir eine Energie verschwenderische Spinnerei, aus wenig Entfernung bereits, scheint das Gebäude direkt aus einer beliebigen Science-Fiction kopiert und an einem Platz eingefügt worden zu sein. Undenkbar in anderen Städten, sagen wir Würzburg zum Beispiel, reiht es sich hier ganz selbst verständlich in die architektonische Landschaft. Selbstverständlich wie das Wieder Selbstbewusstsein, übrigens. Auf einen Plakat gegen Einkaufwagenentführung (sic!) wird eben jeder Meilenstein der Technik charmant als Einkaufswagerl bezeichnet.

Wien is irgendwie cool. Nicht „cool“ wie in „Duke Nukem“. „Cool“ wie in „nett“ vielleicht. Nicht das „nett“, das der kleine Bruder von Scheiße ist. Ich denke an die große Schwester von “süß”.

Homerun für Creative Commons

Gerade lese ich viel spannendes über das es lohnenswert wäre zu bloggen. Zum Glück habe ich inzwischen die Idee aufgegeben, echte Neuigkeiten zu berichten. Andere können das besser. Matthias Spielkamp zum Beispiel über die Entscheidung des Weißen Hauses alle Inhalte auf Whitehouse.gov unter Creative Commons zu veröffentlichen. Was an dieser Entscheidung so aufregend ist, fasst Matthias selber gut zusammen. Also spare ich mir an dieser Stelle die Zeit, das Geschehen doppelt zu kommentieren und empfehle allen Lesern des druckkopfkinos seinen Beitrag.

Die gewonnene Zeit nutze ich, um mich auf meinen Vortag bei den Chemnitzer Medientagen 2009 vorzubereiten.

Duat’s es da a Schildl hinduan?

Das druckkopfkino ist frisch zurück aus dem Skiurlaub im Zillertal. Begeistert bin ich vom genossenen Pulverschnee und langen Tagen auf der Ski- und Snowboardkante. Etwas verwirrt wurde mein Sinn für die Modernisierung der Welt. In Österreichs führender Skihütte wird die Bestellung kabellos und digital in die Küche übertragen – im Kontrast zum klassischen Transport mittels Bedienung im Dirndl. Beim Finden des richtigen Gleises am Bahnhof im Tal wurde auf eher klassische Mittel beim Einsatz von Leitsystemen zurück gegriffen.

Vorteile: große Akzeptanz beim Konsumenten, geringe Anschaffungs- und Betriebskosten
Nachteile: Aktualisierung nur durch persönliche Anwesenheit eines Mitarbeiters möglich, anfällig für Vandalismus und Witterung

eine Fortsetzung mit dem Namen druckkopfkino

Herzlich Willkommen beim ersten Artikel des druckkopfkinos auf seiner eigenen Seite. Dort wo sie auch hingehört.

Wie jeder unanständige Blogger habe auch ich zu viel Zeit seit dem letztem Artikel verstreichen lassen. Nach wenigen Tagen häuften sich die Dinge, über die ich gerne geschrieben hätte und wenige Sekunden später waren die Themen schon nicht mehr aktuell. Der größte Lapsus, den ich mir eingestehe, stellt der spektakuläre Prozess gegen The Pirate Bay dar. Spektakulär finde ich dabei nicht mal wie der Prozess verlaufen ist – auch wenn unglaublich viele peinliche Momente für die Anklage gab und die Öffentlichkeit die Angeklagten und die Zeugen, die für die gesprochen haben, rührend unterstützt haben. Am spektakulärsten erschien mir die Berichterstattung. In Schweden scheint, wie in Deutschland, üblicherweise das Filmen und Fotografieren in Gerichtsälen verboten zu sein. Erlaubt war offensichtlich eine Audio-Aufnahme, die live in Internet auf verschiedenen Seiten gestreamt und von Menschen auf der ganzen Welt gespannt gehört wurde. Für Schweden nicht ungewöhnlich tagte das Gericht auf Schwedisch. Für Menschen, die dieser Sprache unmächtig sind, fand sich unter dem Schlagwort #spectrial eine kleine Community auf twitter ein, die den Prozess live übersetzt und kommentiert hat. Wer am Abend die Zusammenfassung auf einem Blog seiner Wahl gelesen hat, kannte die meisten Fakten schon.

Wem twitter nichts sagt, sollte schnell eine google Anfrage losschicken und sich informieren, was sich hinter diesem Namen verbirgt. Ich bin nicht der einzige, der vermutet, dass twitter aufzeigt, wie Nachrichten in Zukunft übermittelt werden könnten. Denn egal ob der Absturz des Fluges 1549 der US Airways oder die Attacke mit terroistischem Hintergrund auf Bombay, über twitter kommen die minutenaktuellen Nachrichten. Wer abends die Tagesschau sieht, dürfte in naher Zukunft schon gelangweilt sein. Ich sehe es nur noch als Frage der Zeit bis google einen Dienst erfindet, der twitter auf signifikante Korrelationen von tweets durchsucht und auspuckt wo in der Welt aktuell was spannendes passiert. TED und CeBIT wären bestimmt einfach zu finden.

Beide Veranstaltungen haben interessante Projekte ans Tageslicht gebracht, über die hoffentlich in Kürze die Zeit finde zu schreiben. Was ist sonst noch spannendes passiert? Oh, ich hab ein Diplom.