Monthly Archive for April, 2009

katzchen, baby!

Manchmal hau ich Ideen raus, die mir einen Monat später selber albern/peinlich/naiv vorkommen. Mal im Ernst, was is das für eine Behauptung, Kätzchen sein einer der am meisten Erfolg versprechenden Mittel um am Reichtum, Ruhm und Macht im Internet zu kommen. Infantil. Blödsinnig.

Allerdings: In diesem Fall bleibe ich dabei. Auch wenn es albern klingt. Kätzchen machen bekannt. Jüngstes Indiz: Die Statistik der Suchbegriffe über die das druckkopfkino gefunden wurde:

bezieht sich allerdings auf druckkopfkino.wordpress.com

update: spectrial

The Pirate Bay: Schuldig.

Nach einer ersten Meldung wurden alle vier Angeklagten Betreiber des BitTorrent-Austauschforums und Trackers The Pirate Bay schuldig gesprochen [PDF des Urteils]. Jeweils ein Jahr Haftstrafe und 7.500.000 Schwedische Kronen Geldbuße. Bam, oida!

Das Urteil überrascht mich nicht. Schließlich sind die vier angeklagt verurteilt wegen Beihilfe zum Verstoß gegen Rechtsvorschriften zum Urheberrecht, was eine Art ist, die Funktionsweise des BitTorrent-Systems zu verstehen. Ähnlich argumentiert könnte man auch einen Hersteller für Wandputz wegen Beihilfe zum Vandalismus durch Graffiti anklagen und zu Schadensersatzzahlungen an Kunstmuseen verurteilen.

Und deswegen kann ich nur den Kopf schütteln über das Urteil. Es ergibt keinen Sinn die vier Jungs Geld an internationale Konzerne zahlen zu lassen. Wo das Tekniska Museet verstanden zu haben scheint, dass The Pirate Bay kein versuchter Diebstahl ist sondern Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung, scheinen die schwedischen Gerichte noch Nachhilfe zu benötigen.

Der Vollständigkeit halber: Die Angeklagten, denen ihre Verurteilung seit gestern bekannt ist, haben bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

jag älskar ihr wisst schon

Schweden: cool. Das Land hat nicht nur nette Leute, schöne Landschaft und Nordlichter, Schweden hat vor allem dieses unglaublich coole Selbstverständnis. Aktuell beweisen die Nordlichter mal wieder ein gutes Gespür für zukunftsträchtige Technologien: Das National Museum of Science and Technology, eine Art kleineres, schwedisches Deutsches Museum, hat einen Server der BitTorrent-Seite “The Pirate Bay” gekauft. Es ist geplant den grauen Kasten in eine Ausstellung zu übernehmen in der technische Neuerungen gezeigt werden, die das Leben der Menschen beeinflusst haben. Da gehört’s hin.

Ich würde wirklich gern wissen, wie der/die Kurator/in plant die Bedeutung zu vermitteln, die die Trennung von materiellen Produkten und immateriellen Kreativgütern mit sich gebracht hat. Auf der Projektseite des Museums steht das Bild des Servers im richtigen Kontext mit Radio und Kassettenrekorder, wie die Dinge nach Ansicht des Museums in Zusammenhang stehen lässt sich bisher leider nur auf Schwedisch lesen – eine Sprache die sich meiner Kenntnis entzieht.

Schade. Ohne Kontext ist die Ausstellung eines Servers in meinen Augen nur die künstliche Schaffung eine Reliquie, die auf sich allein gestellt keine Aussage treffen kann. Denn, ob auf dem Server The Pirate Bay gehostet wurde oder google oder dicke-eumel.de sagt letztendlich nur der Aufkleber auf dem Metallgehäuse. Die Technologie, die das Leben der Menschen verändert hat, setzt sich in Wirklichkeit aus mehreren kleinen Technologien zusammen: Telefonleitungen, Übertragungsprotokolle, Personal Computer, Internet Service Provider, Bild-und Toncodierungsverfahren und eben auch Servertechnologie. Besser als ein Stück Technikgeschichte auszustellen, wäre eine Installation, die den Unterschied heraushebt, den diese Technologien den Menschen gebracht haben. Ich befürchte jedoch, das Tekniska Museet überlässt die Interpretation des grauen Kastens den Besuchern. Schade.

Es bleibt trotzdem cool, dass eine staatliche Einrichtung die Entwicklung des BitTorrent-Netzwerkes als eine Ursache für Veränderung der menschlichen Lebensumstände akzeptiert. Is ja nicht so, das es niemanden gibt, der die ganze Technologie am liebsten weg! machen! würde. Hoffentlich macht Schwedens Beispiel Schule.

der lange Schwanz der Gerontologie

Ich hab meinen Großvater besucht. Nein, ich werde euch nicht die Geschichten erzählen, die er mir erzählt hat – auch wenn er offensichtlich ein interessantes Leben hinter sich hatte. Wovon ich erzählen will, ist sein Küchenradio. In ebenjenem steckte ein USB-Stick. Ein zweiter lag daneben. Sein Kommentar auf meine Rückfrage:

“Ja, mit mp3′s drauf. Im Radio kommt ja nichts g’scheits. Ich hab mir meine CD’s alle auf mp3 überspielt. Bei 2000 mp3′s brauche ich kein Radio mehr.”

Warum erzählt mein Großvater mir, dass mit dem geringen Speicherplatz, die ein Lied als mp3 codiert benötigt heutzutage jeder in der Lage ist auf einem USB-Stick mehr Lieder mit sich zu tragen, als auf der Playlist eines gewöhnlichen Radiosenders stehen und der Konsum einer selbst ausgewählten Playlist den eigenen Geschmack immer besser treffen wird als die eines auf massentauglichen Geschmack abgestimmten Radios? Warum erzählt er mir das und nicht ich ihm? Gut, er hat es nicht so ausformuliert, aber er handelt nach genau diesem Prinzip. In drei Sätzen fasst er die Selbstverständlichkeit des mündigen Konsumenten zusammen, aus der sich die steigende Bedeutung jedweder Nischen erklären lässt und die sinkende des Mainstream. Ich war es gewöhnt, mir damit zu begründen, warum Jugendliche heut viel früher einen viel diverseren Musikgeschmack entwickeln als ich … damals. Nur ist mein Großvater mit 83 Jahren kein Jugendlicher mehr.

Was lerne ich daraus: Von den Vorteilen des long tail profitieren nicht nur trendgeile Jugendliche, sondern auch geschmacksichere Rentner. Ich bitte an dieser Stelle alle Vorurteile über Bord zu werfen, dass alte Menschen mit “mit diesem ganzen Internet-mp3-Krams nichts anfangen können. Wer mir nicht glaubt, darf gerne meinen Großvater fragen. Seine Emailadresse gebe ich auf Anfrage weiter.

smc 5

Die Stadtarchitektur ist kein Grund, Chemnitz zu besuchen. Die Medientage schon.

Auf zwei Tage verteilt tragen Studierende und Absolventen ihre Meinungen und Forschungsergebnisse zu einem jährlich variierenden Thema dar. Wie der Name der Konferenz, die von Studenten der Medienkommunikation initiiert und organisiert wird, vermuten lässt, bewegt sich das Thema stets im Feld der Medientheorie. Die Website des Projekts wirbt für sich selbst damit, jungen Menschen eine Möglichkeit zu bieten, erste Konferenzerfahrungen zu sammeln. Dementsprechend schwankt die Qualität der Vorträge von hammergeil und sau-interessant zu schwer zugänglich und lahm – ohne dabei jemals gänzlich abzurutschen. Ein großer Pluspunkt der mit diesem Spiel einhergeht: Die Referenten bleiben für die Gäste erreichbar, der einzelne Besucher hat die Gelegenheit mit Ihnen abseits der Vorträge zu diskutieren, kritisieren und palavern. Förderlich für den Austausch ist das entspannte und kollegiale Klima, das die Chemnitzer verbreiten. Vielleicht liegt es daran, dass man sich unter Studenten bewegt, vielleicht aber auch an der Hingabe, die das Organisations-Team für ihr Kind an den Tag legt. Kudos für eine professionelle Veranstaltung mit geringsten Mitteln!

Unter dem Motto “ich surfe also bin ich” drehten sich die Vorträge – nah an der gleichzeitig statt gefunden habenden re:publica – um blogs, streams, tweets, pages, zines, services und communitys. Überrascht war ich dabei, nicht aufgewärmte Kritik über die Anonymität des Internets zu hören. Statt dessen gab es Erfahrungsberichte über die Stemmung eigener Online-Projekte und Betrachtungen zu der Zukunft des Internets – ausgehend davon, dass wir uns von den Möglichkeiten die das Schlagwort Web2.0 mit sich bringt langsam erholen dürfen.

Besonders Aufgefallen sind mir die Vorträge von David Füleki & Julian Wenzel über das Zusammenspiel von Fanservice und Fansomes, sowie die Abrechnung des Berliner Teams Wildcards mit der blog-Kultur deutscher Zeitungen. Mit etwas Glück gibt es in Zukunft über eines der beiden Projekte hier mehr zu lesen.

An alle die in Chemnitz dabei waren schicke ich ein augenzwinkerndes Plopp! und Danke! für ein unterhaltsames und interessantes Wochenende.