
Eine schöne Seite am Studium: Der geneigte Designstudent kann seiner Liebe zu provozierenden Arbeiten oder politischen Aussagen freien Lauf lassen. Die Kehrseite an der Zeit nach dem Studium: Der geneigte Designstudent kann nicht wissen, welche Arbeit welche Agentur an- oder abtörnt. Kreativ sind wir ja alle und um die Ecke denken können wir auch alle und Spaß an Provokation haben wir… nun.. nicht alle.
Was macht der Designstudent dann mit Arbeiten, die gut gedacht sind aber zu direkt für das eigene Portfolio? Was macht er mit den Arbeiten, die er cool findet, für die er aber nicht die Zeit gefunden hat, ihnen das Finish zu verpassen, das sie verdient haben?
Kann ich auch nicht beantworten. Deswegen jetzt zu was völlig anderem: Beim Durchstöbern meiner Projektordner nach repräsentativen Textarbeiten bin ich auf dieses fast schon vergessene Projekt aus dem letzten Sommer gestoßen. Begonnen hat die Entwicklung als eine Antwort auf die Arroganz der Alt-68er, die an unserer Hochschule für das Symposium 1968 heute gastierten. Wir waren die ganze Zeit aktiv und produktiv. Da wir aber lieber unsere Kommilitonen motiviert haben ihre politsche Meinung zu äußern anstatt ein Magazin über die Typographie der 1960er Jahre zu machen, habe ich jetzt nichts aus diesem Semester in der Hand, dass ich Interessierten unter die Nase halten kann.
Es gäbe da diesen knapp zwei Quadratmeter großen Beweis, dass die sexuelle Revolution keinen Fortschritt in der Gesellschaft gebracht hat – das Risiko damit jemanden zu verstören anstatt zu begeistern ist allerdings äußerst hoch. Irgendwo am Rand sind noch De-Branding Arbeiten entstanden. Zu verstehen sind sie als ein Aufruf an alle Generationen sich Gedanken über die eigenen und die fremd bestimmten Idole zu machen. Bei denen bin ich mir unsicher an welchem Platz in der gut-schlecht-fertig-unfertig-Dimension sie stehen.

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