1. Vorwort

2. Medientheoretische Grundlage

3. Technologien der neuen Medien
3.1. Personal Computer
3.2. Drucker
3.3. Internet
3.4. Digitale Aufnahme und Speicherverfahren

4. Hypothese
4.1. Ausgangslage: die Tesla-Galaxis
4.2. Entwicklung zur Turing-Galaxis
4.3. Die Rolle des Gestalters

5. Praktisches Arbeit
5.1. Synchronopse
5.2. Entwicklung der Medientechnologie
5.3. Entwicklung der Adaption, Auswahl
5.4. Entwicklung der Adaption, grafisches
5.5. Zeitstrahl
5.6. Interpretation

6. Glossar

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Definition der Rolle des Gestalters in der medialen Gesellschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts. Bevor ich näher auf meine Ergebnisse der Arbeit eingehe, möchte ich die Rahmenbedingungen der Fragestellung präzisieren. Zunächst steht natürlich die Frage im Raum, wer genau zu der Gruppe der Gestalter gezählt werden kann, eine Frage, die analog zur Definition des Begriffes Kunst eine eigene Thematik für sich eröffnet. Vergleichbar mit der praktisch vorherrschenden Definition zur Abgrenzung von Kunst, die Institutionstheorie der Kunst, ziehe ich für meine Definition des Begriffes „Gestalter“ eine Institutionstheorie der Gestaltung heran: Gestalter sind all die Menschen, die ihre Arbeit als gestalterische Tätigkeit oder Design verkaufen, deren Arbeit als Design angesehen wird oder deren Arbeit ein Kritiker (z.B. Fachmagazine) als Gestaltung ansieht. Dies schließt insbesondere Grafikdesigner, Kommunikations- und Informationsdesigner und auch Produktdesigner ein. Letztere sind von der Demokratisierung der Produktions- und Distributionsmittel noch nicht so stark betroffen wie erstere, die voranschreitende Entwicklung der 3D-Drucktechnik zeigt aber auch hier einen vergleichbaren Trend auf. Wie genau der Prozess der Demokratisierung der Produktions- und Distributionsmittel zu verstehen ist, wird später beschrieben.
Wenn ich von der medialen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts schreibe, meine ich damit eine medienproduktiv autarke Gesellschaft, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, aber mit großen Schritten voran schreitet. Die Rolle des Gestalters fasst die Aufgaben, die Verantwortung, die Notwendigkeit und die Möglichkeiten für die Gruppe der Gestalter im Unterschied zur Gruppe der Nicht-Gestalter zusammen.

Die Begrifflichkeit „21. Jahrhundert“ konnotiert eine Voraussage zukünftiger Entwicklungen, wofür mir entweder die wissenschaftliche Tiefe in der Untersuchung oder die spirituelle Überzeugung fehlt. Faktisch ist das 21. Jahrhundert bereits neun Jahre alt und in dieser Zeit haben sich Entwicklungen zugetragen, deren Betrachtung von theoretischer und gestalterischer Seite lohnenswert ist. Gerade in den letzten Jahren ließen sich Trends erkennen, die die Rollen in der medialen Gesellschaft im Vergleich zu den letzten ein- bis fünfhundert Jahren grundlegend verändern. Welche Veränderungen das sind, werde ich im dritten und vierten Kapitel zunächst erläutern. Im dritten Kapitel werde ich auf wichtige Eigenschaften relevanter Medientechnologien eingehen, die für die Veränderung der medial aktiven Gesellschaft verantwortlich sind. Das vierte Kapitel ist der Veränderung der Rollenverteilung der medialen Partizipanten zwischen der bekannten und der neuen Gesellschaft gewidmet. Anschließend werde ich die Methodik erklären, mit der ich diese Entwicklung im praktischen Teil der Arbeit grafisch darstelle.

2. medientheoretische Grundlage

Die Grundlage der Arbeit bildet die Erkenntnis, dass medientechnologische Entwicklungen eine bedeutende Auswirkung sowohl auf die Entwicklung einer Gesellschaft als auch die persönliche Entwicklung eines einzelnen Menschen haben. Der Bezug zwischen Medien und Gesellschaft ist nach Marshall McLuhan nicht mehr in Frage zu stellen und wird von mir für die Theorie der Diplomarbeit als bekannt vorausgesetzt. Der Zusammenhang zwischen Medien und persönlicher Entwicklung ergibt sich durch das Verständnis der pädagogischen Forschung, nach dem sich persönliche Identität aus Kommunikation entwickelt. Da der Kern eines jeden Mediums ist, Kommunikation zu übertragen und zu speichern, beeinflusst die Auswahl der Medien, die einem Individuum zur Verfügung stehen, das Verständnis von Kommunikation und die persönliche Erfahrung mit ihr. Darduch wirken sich die Eigenarten verschiedener Medien, etwa die Asynchronität der Massenmedien Fernsehen und Radio im Vergleich zum synchronen Medium Telefon, auf die Entwicklung und das Selbstverständnis einzelner Individuen aus.

Bedeutende Veränderungen des Zusammenspiels der zur Verfügung stehenden Medien beeinflussen die Gesellschaft also auf makro- und mikroskopischem Niveau. Die mediale Grundgesamtheit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde von den Massenmedien Fernsehen und Hörfunk/Radio dominiert und durch eine stetig verbesserte Telekommunikationstechnik ergänzt. Die Durchsetzung des Personal Computers in privaten Haushalten bekam erst durch die Verbreitung des privaten Internetanschlusses eine Bedeutung als Kommunikation übertragendes Medium. Die ersten Internetanschlüsse waren dabei technisch bedingt nicht in der Lage, Daten in Mengen zu übertragen, die einen Vorteil gegenüber herkömmlichen Methoden der Kommunikation gebracht hätten. Erst mit der Einführung hoher Bandbreiten wie dem ISDN- und DSL-Anschluss war das Potential der Vernetzung privater Haushalte zu erkennen. Den entscheidenden Unterschied hat nicht die Erfindung und Einführung der Technik gebracht, sondern ihre fortschreitende Optimierung. Diese Entwicklung teilt das Internet mit anderen Technologien, die im 20. Jahrhundert entwickelt worden sind, deren Potential aber erst am Anfang des 21. Jahrhunderts erkenntlich wurde. Im Folgenden werde ich einige der medientechnologischen Techniken, die die Grundlage für meine Beobachtungen stellen, aufzählen und ihre Besonderheiten hervorheben.

3. Technologien der neuen Medien

3.1. Personal Computer
Im Gegensatz zu den medial unbedeutenden und bereits länger vorhandenen Großrechnern, stellt die Verfügbarkeit von günstigen und technisch ausgereiften Heimrechnern aufgrund der Vielseitigkeit ihrer Anwendungsmöglichkeiten eine wichtige technologische Entwicklung dar. Im Prinzip ist ein Personal Computer eine universelle programmierbare Rechenmaschine. Da viele Arten von Informationen wie Text, Klang oder Bilder als Zahlen darstellbar sind, ist die Verarbeitung der Information auch als Berechnung durchführbar, ein geeignetes Programm vorausgesetzt. Unter einem Programm oder Algorithmus wird dabei eine Beschreibung der Schritte verstanden, die der Computer ausführen muss, um eine bestimmte (Rechen-)Aufgabe zu lösen. Die Kombination aus leistungsfähiger Hardware und der Möglichkeit, diese mittels verschiedener Programme (Software) spezielle Aufgaben durchführen zu lassen, macht den PC zur universellen Schnittstelle zwischen der Produktion, Distribution und Rezeption der meisten kommunikativen Botschaften im 21. Jahrhundert.
Zum Beispiel sind die Unterschiede zwischen digitaler und analoger Fotografie weniger spannend im Inneren der Kamera im Prozess der Bildaufnahme als außerhalb der Kamera im Prozess der Bildweiterverarbeitung. Ähnlich verhält es sich mit allen anderen hier vorgestellten Technologien.

3.2. Drucker
Gemeint ist nicht die Druckmaschine als Weiterentwicklung der Gutenbergschen Druckpresse, sondern der Schreibtischdrucker in seinen verschiedenen technischen Ausformungen, v.a. Nadeldrucker, Tintenstrahldrucker, Laserdrucker. Durch die Neu- und Weiterentwicklung von privater Drucktechnik ist das Individuum in der Lage, aus eigener Hand und unkompliziert Drucke von eigens erstellten Inhalten anzufertigen. Das wichtige Schlagwort dabei ist „unkompliziert“, ein Vorteil, der nur schwer messbar ist. Obgleich es auch vorher möglich war Drucksachen in kleiner Auflage z.B. per Hektographie händisch anzufertigen, ist der notwendige Aufwand, der beim Anfertigen von hundertfachen Kopien anfällt, durch Heimdrucker doch stark reduziert worden. Das eigenständige Publizieren gedruckter Texte und Bilder ist dadurch nicht länger an hohe Auflagen, teure Maschinen und eine zweite Instanz gebunden, sondern kann von jedem Individuum selbst durchgeführt werden. Somit erhält das Recht auf Rede und Pressefreiheit eine neue Wirksamkeit.

3.3. Internet
Die Veröffentlichung eines Textes über Druck scheint dabei heute, Anfang 2009, schon anachronistisch umständlich. Durch seine besonderen Eigenschaften hat das Internet diesem Publikationsmedium bereits den Rang abgelaufen. Das Internet als eigenes Medium bzw. eigene medientechnologische Entwicklung zu bezeichnen simplifiziert die vielfältigen Konzepte und Entwicklungen, die den Begriff ausfüllen. Technisch möglich wird das Konzept durch die Übertragung digitaler Daten durch eine vorhandene Infrastruktur (i.d.R. Telefonleitungen), durch die die zum Betrieb von (Personal) Computern benötigten Daten nicht mehr geografisch in der Nähe der entsprechenden Recheneinheit sein müssen. Eine eigene Infrastruktur für den Austausch der Daten wurde zunächst vom US-Militär mit dem Arpanet entwickelt. Am CERN in Genf wurde das TCP/IP-Protokoll entwickelt, welches die Art, in der die Daten versendet und empfangen werden, vereinheitlicht. Weitere wichtige Bestandteile des Internets sind verschiedene Standards, z.B. html, und Werkzeuge, diese zu en- und dekodieren, z.B. Browser. Gemeinsam ermöglichen sie heute den Austausch von digitalen Informationen zwischen allen Rechnern der Welt, die über die entsprechende Technik verfügen, welche nicht nur in den höher entwickelten Ländern günstig zu erhalten ist. Herausragende Merkmale dieses Mediums sind, dass die Distribution von Information nicht mehr an physikalische Grenzen gebunden ist und dass über die Schnittstelle des Computers Inhalte aller möglichen Art in Information umgewandelt werden kann.

War die Entfernung zwischen Sender und Empfänger mit fortgeschrittener Video/Radiotechnik kein Faktor mehr, der einen Einfluss auf die Reichweite einer medial vermittelten Botschaft hatte, gab es immer noch andere Einschränkungen in der Distribution. Limitiert war insbesondere die Anzahl der gleichzeitig übermittelbaren Inhalte und die Anzahl der Menschen, die über die technischen Vorraussetzungen verfügten, mediale Inhalte zu senden. Die herausragende Eigenschaft des Internets ist die Möglichkeit, von jedem Empfangsgerät aus auch senden zu können – und zwar nicht im Sinne älterer synchroner Medien wie dem Telefon an eine sehr begrenzte Anzahl an Empfängern, sondern an alle Menschen, die über ein Empfangsgerät verfügen. Die Distribution medialer Botschaften, die einer kleinen Bevölkerungsgruppe vorenthalten war, wurde durch das Internet demokratisiert, indem sie der gesamten Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurde.

3.4. digitale Aufnahme und Speicherverfahren
Die Möglichkeit, digitale Informationen über das Internet an die gesamte Bevölkerung zu verteilen, wäre für die Medienkommunikation ohne Bedeutung, wenn es keine Mittel gäbe mediale Botschaften in digitale Informationen zu transformieren. Nur in diesem Zusammenhang kann man die Bedeutung der Entwicklungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts im Bereich der digitalen Medienaufnahme verstehen. Die Möglichkeit, Text in digitale Information zu konvertieren liefert jeder Computer über die Schnittstelle der Tastatur mit. Die Möglichkeit Bilder und Ton in digitale Information zu konvertieren, wurde durch die Entwicklung digitaler Fotografie und Tonaufnahme ermöglicht. Durch die Erfindung der Digitalkamera und ihre technisch Reifung in Qualität und Preis (sowohl im Bereich der Fotografie also auch des bewegten Bildes) wird das Monopol, Bilder zu produzieren, die sich digital verbreiten lassen, einer breiten Masse an Menschen zu Verfügung gestellt. Dies ist eine Entwicklung, die mit der Entwicklung des Scanners begann, jedoch durch die Annehmlichkeiten, die die digitale Bildaufnahme mit sich bringt, erst komplettiert wird. Natürlich gab es für den Konsumten schon durch analoge Fotografie (und Film und Tonaufnahme) die Möglichkeit, Bilder aufzunehmen. Die so entstandenen Aufnahmen konnten aber nur im Rahmen ihrer physikalischen Grenzen an Zuschauer präsentiert werden. Durch die Möglichkeit, Bilder (Filme, Klänge) digital zu speichern und zu transportieren, wird aus dem Fotoapparat (der Filmkamera, dem Mikrofon) ein digitales Produktions- und Reproduktionsmittel, das in der Qualität technologisch mit der professioneller Aufnahmetechnik vergleichbar ist. Technologisch ist der Rezipient nicht mehr gehindert, selber Medien zu produzieren. Die Medienproduktionsmittel sind demokratisiert.

Wichtige Entwicklungen in diesem Bereich stellen dabei stets Verfahren zur Optimierung der Speicherung digitaler Informationen dar. So war die digitale Speicherung akustischer Information schon länger möglich, aber erst durch die Möglichkeit, die Daten mittels Komprimierung ohne unter Normalbedingungen wahrnehmbare Verluste in handlicher Größe zu speichern, entfaltet die digitale Tonaufnahme ihr gesamtes Potential. Eine ähnliche Entwicklung hat die Speicherung digitaler Bildinformation durchlaufen. „Handliche Größe“ meint dabei die Größe einer gewöhnlichen Konsumeinheit (z.B. ein Bild, ein Lied), die mittels der üblichen Technik in Echtzeit übertragen werden kann.

Durch die Optimierung der Komprimierung auf Übertragungs- und Speichertechnologie zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung und die Weiterentwicklung von Speicher- und Übertragungstechnik, die die Tendenz hat, Daten in fortlaufend größeren Mengen übertragen und speichern zu können, führt zu dem Umstand, dass eine Konsumeinheit heute im Vergleich zu üblichen Speichermedien einen verschwindend geringen Speicherplatz einnimmt. Dieses Tatsache ist für die Entwicklung der Gesellschaft von immenser Bedeutung: Dadurch, dass ein Bild oder ein Lied einen kaum messbaren physikalischen Raum einnimmt und für das keine bedeutenden Kosten bei der Lagerung anfallen, geht die Anzahl an Bildern und Liedern, die ein Mensch speichern kann, gegen Unendlich. Im Gegensatz dazu ist der Besitz physikalischer Medienprodukte, also CDs, Schallplatten, Videokassetten, stark durch den Raum begrenzt, den diese Produkte einnehmen.
Die Kombination aus Demokratisierung der Produktions- und Distributionsmittel schafft gänzlich neue Grundbedingungen für eine medial aktive Gesellschaft. Die Unterschiede insbesondere zur vorhergehenden Gesellschaft der Massenmedien werde ich im Folgenden aufzeigen.

4. Hypothese

Wie durch die letzten beiden Kapitel deutlich geworden ist, besteht ein grundlegender Unterschied zwischen der medialen Gesamtsituation einer Gesellschaft, die von Massenmedien dominiert wird, und einer, die von den neuen Medien dominiert wird. Um die beiden Welten voneinander abgrenzen zu können, werde ich in Anlehnung an McLuhans Begriff „Gutenberg-Galaxis“, die Gesellschaft der Massenmedien als „Tesla-Galaxis“ bezeichnen, benannt nach Nikola Tesla, der Grundlagenforschung für den Hörfunk geleistet hat. Die darauf folgende Gesellschaft sei „Turing -Galaxis“, benannt nach Alan Turing, der vergleichbare Arbeit für die Computertechnik geleistet hat. Beide Galaxien werde ich auf die Natur ihrer Medienproduzenten, ihrer Medienrezipienten und der vermittelten Medieninhalte untersuchen, um anschließend die Rolle des Gestalters in der Gesellschaft zu verorten.

4.1. Ausgangslage, die Tesla-Galaxis
In der von Massenmedien dominierten Welt der Tesla-Galaxis folgt die Auswahl und Aufbereitung der Medieninhalte streng ökonomischen Gesichtspunkten. Der Grund darin liegt in der Knappheit der zur Verfügung stehenden Distributionsmittel, über die mediale Inhalte vermittelt werden können. Da der Inhalt, der durch diese Distributionskanäle angeboten werden kann, begrenzt ist, muss eine Selektion der zu übermittelnden Inhalte stattfinden. Da die meisten medialen Angebote durch die Anzahl abgesetzter Einheiten (entweder direkt über Ladenverkäufe oder indirekt über Einschaltquoten und Werbeeinnahmen) finanziert werden, wird das Angebot von Inhalten dorthin selektiert, bei möglichst vielen Menschen Gefallen zu erlangen und somit Absatz zu erregen. Zwar arbeiten nicht alle Medienunternehmen nach diesem Prinzip (es gibt wohl Ausnahmen, die gezielt Nischenmärkte bedienen), aber diejenigen, die die größten Märkte bedienen, dominieren per Definition auch den Markt – sowohl in Verkaufszahlen und Umsatz als auch in der Bestimmung der transportierten Inhalte. Um einer möglichst großen Zahl an potentiellen Käufern zu gefallen, werden die Medienbotschaften als erstes von Inhalten befreit, die einer großen Masse negativ auffallen würden. Dazu zählen sowohl in der Gesellschaft tabuisierte Themen, wie extreme Gewalt und Sexdarstellung, aber in der Regel auch besonders fortschrittliche, avantgardistische Themen, die ihre Heimat in Randmedien wie dem Theater oder Fachmagazinen finden.

Dadurch, dass technische Entwicklung die Dekodierung von Medien äußerst günstig gemacht hat, ist nahezu jeder Bewohner der Tesla-Galaxis ein potentieller Rezipient. Die Grundgesetze der Marktwirtschaft, nach denen nur die Produkte auf einem Markt bestehen können, deren Nachfrage groß genug ist, haben auch nur die Medieninhalte Bestand, die bei einer möglichst großen Masse Erfolg haben. Jahre der Selektion und Optimierung haben Medieninhalte herausgefiltert, die bei einer so großen Menge Akzeptanz finden, dass jene, denen der Inhalt nicht zusagt, als Randgruppe in Erscheinung treten. Durch Redundanz der Inhalte entsteht der Eindruck, der Geschmack, nach dem sich mediale Inhalte in Gut und Schlecht einteilen lassen folge einer einzelnen Gesetzmäßigkeit, dem Allgemeingeschmack, auch Mainstream genannt.

Die Massenmedien sind nativ asynchrone Medien, d.h. die Übermittlung von kommunikativen Inhalten funktioniert nur in eine Richtung, die Synchronität kann nur über Umwege (den Leserbrief) hergestellt werden. Dadurch wird der Rezipient zum reinen Medienkonsumenten ohne die Möglichkeit der Beteiligung. Durch die fehlende Möglichkeit, Inhalte beitragen zu können, und den Eindruck, die präsentierten Inhalte müsse jedem Bürger gefallen, entsteht beim Rezipienten die Impression, als Opfer den vom Produzenten erstellten Inhalten ausgeliefert zu sein.

Tatsächlich ist diese Opferrolle ein Trugschluss. Schließlich bleibt dem Rezipienten die Verweigerung des Medienkonsums und die Möglichkeit, sich alternative Inhalte zu beschaffen – was mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ist. Der Großteil der Gesellschaft entwickelte sich in die andere Richtung und begann die Rolle als Opfertier zu akzeptieren und ihre Vorteile zu sehen: Die Freiheit,, nicht verantwortlich zu sein für die medialen Inhalte.

Der Medienproduzent nimmt in der Tesla-Galaxis eine mächtige Position ein, da wenige Produzenten für die Herstellung und Verteilung von Medien für sehr viele Rezipienten zuständig sind. Durch die Knappheit der Produktions- und Distributionsmittel ist auch die Zahl der Medienproduzenten stark begrenzt. Die Kriterien, nach denen eine Selektion der Medienproduzenten stattfindet, folgen ebenso wie die Inhalte ökonomischen Regeln, nicht qualitativen. Wer als Medienproduzent Inhalte produziert, die bei möglichst vielen Rezipienten Interesse wecken, hat zwar den Vorteil, finanziell erfolgreich zu sein und einen hohen Bekanntheitsgrad in der Gesellschaft zu genießen, darf die vom ihm vermittelten Inhalte allerdings nicht nach eigenen Kriterien aussuchen, sondern muss dem Allgemeingeschmack folgen. Im Idealfall stimm der Inhalt, den ein Produzent vermitteln will, mit dem Allgemeingeschmack überrein. Produzenten, die Inhalte herstellen wollen, die nicht dem Allgemeingeschmack entsprechen, werden allerdings auf jeden Fall an den Rand gedrängt, wobei die interessantesten und kreativsten Lösungen meist kein Publikum finden, um auf dem Markt bestehen zu können.

4.2. Entwicklung zur Turing Galaxis
In der Turing-Galaxis ist die Anzahl der transportier- und speicherbaren Medieninhalte praktisch nicht mehr limitiert, was eine Selektion überflüssig macht. Das Resultat ist nicht nur eine Vergrößerung des gesamten medialen Angebots sondern auch eine Vergrößerung der Variabilität der Inhalte. Neu im Vergleich zur Gutenberg- und Tesla-Galaxis ist, dass die Inhalte veröffentlicht werden können ohne vorher auf potentiell interessierte Rezipienten überprüft zu werden. Der Überfluss an Distributionskanälen ermöglicht die Veröffentlichung von Inhalt unabhängig davon, ob sich kein Mensch oder sechs Milliarden dafür interessieren. Die fehlende Limitierung erlaubt es auch ungewöhnlichen Inhalten, ungewöhnlich gut oder schlecht, avantgardistisch oder allgemeingeschmäcklerisch, eine Plattform zu finden.

Rezipienten haben in der Turing-Galaxis die Möglichkeit, aus vielen verschiedenen, vor allem viel spezielleren Inhalten zu wählen. Die Erfahrungen bisher haben gezeigt, dass Rezipienten dazu tendieren, Inhalte zu konsumieren, die eben nicht dem Allgemeingeschmack entsprechen, sondern spezieller auf persönliche Bedürfnisse abgestimmt sind. Ermöglicht wird ein solch gezielter Konsum aber nur durch aktive Suche bestimmter Medieninhalte. Diese muss allerdings nicht zwingend gezielt sein, sondern kann dem Fluss der angebotenen Medieninhalte folge. In diesem Verhalten steckt die wichtige Erkenntnis, die selbstverständlich für die Medienkompetenz künftiger Generationen sein sollte, dass Medienkonsum ein aktiver Prozess ist. Für die Auswahl der rezipierten Inhalte ist der Rezipient selbst verantwortlich, nicht der Produzent. Findet ein Rezipient den Inhalt, den er sucht, selber nicht, hat er dank der Demokratisierung der Produktionsmittel die Möglichkeit, diese Inhalte eigenhändig zu produzieren.

Eine klare Trennung in Medienkonsumenten und Medienproduzenten ist nicht mehr nach der Art der Tätigkeit zu treffen, sondern, denkt man in dem Kontext, aus dem die Begriffe stammen, nach dem Erfolg der Tätigkeit. Die Medienproduzenten der Tesla-Galaxis sitzen immer noch an den Schaltstellen der bestehend bleibenden Massenmedien und besetzen Positionen der neuen Medien. Dabei müssen sie akzeptieren, dass sie nicht mehr allein für die Gestaltung der Inhalte verantwortlich sind, sondern nur die erfolgreicheren Inhalte produzieren. Ob sich in der Turing-Galaxis, in der eine Knappheit der Kanäle nicht existiert, mit Medieninhalten noch Geld verdienen lässt wie in der Tesla-Galaxis wird sich noch zeigen. Klar ist, dass aus der Knappheit der Kanäle allein keine Existenzbegründung für Medienproduzenten mehr zu ziehen ist.

Zudem lernen die ehemaligen Medienproduzenten, dass die Medien der Turing-Galaxis synchron sind und so dem Rezipienten eine Antwort auf präsentierte mediale Inhalte erlauben und die Antworten viele verschiedene Formen annehmen können. Zu neuen Varianten des bekannten Leserbriefes in Form von Emails, Forendiskussionen oder eingebetteten Antwortmöglichkeiten, kommen die Möglichkeiten, den präsentierten Inhalt neu zu gestalten. Die Bandbreite reicht dabei von schmeichelnder Fan-Fiction zu kritischer Persiflage. Es existieren praktisch keine Möglichkeiten, diese Art der Antwort zu kontrollieren, und so müssen Medienproduzenten lernen sie zu akzeptieren. Den Vorteil sehe ich darin, dass durch diese Art des Dialogs mit dem Rezipienten ein Gestaltungszyklus entsteht, durch den die Qualität der Gestaltung verbessert werden kann.

4.3. Die Rolle des Gestalters
Der Gestalter kann aufgrund seiner visuell produktiven Arbeitsweise als Medienproduzent gesehen werden. Die breite Definition des Begriffes Gestalters lässt es zu, dass sie die meisten der medienproduktiv arbeitenden Menschen einschließt. Gestalter arbeiten als Fotografen, Texter und Autoren, Illustratoren, Regisseure und unter vielen anderen Bezeichnungen als Medienproduzenten und gestalten so die mediale Umwelt der Bevölkerung. In dieser Rolle hat der Gestalter stark mit den Veränderungen der medialen Grundvoraussetzung wie in den ersten beiden Kapiteln beschrieben zurecht zu kommen. Wichtig ist es dabei, die Demokratisierung der Produktions- und Distributionsmittel nicht als Bedrohung zu sehen, sondern das Potential zu erkennen, eine Bühne für relevante Inhalte zur Verfügung zu haben und in den Dialog mit dem Konsumenten treten zu können.

Dieses Potential bietet Gestaltern viele Möglichkeiten, das zu tun, was sie am besten können: Interessante, aber unbekannte Phänomene visuell aufzubereiten und zu publizieren, Ereignisse aus einer anderen Perspektive betrachten, Interessantes in banalem zu entdecken, Zusammehänge zwischen scheinbar Zusammenhangslosem zu erkennen. Die Tesla-Galaxis hatte nur Raum für wenig verschiedene Inhalte und die Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft haben viele Produzenten dazu neigen lassen, Inhalte auf den Gewinn zu optimieren, nicht den Inhalt an sich. In der Turing-Galaxis ist Massentauglichkeit keine Bedingung für Veröffentlichung mehr, und ebenso wie die Rezipienten dürfen auch Gestalter neue Felder der Betätigung für sich entdecken, in der ihre Arbeitsweise an den vermittelten Inhalten ausgerichtet ist und nicht am kommerziellen Erfolg.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, die Verantwortung des Gestalters bei seiner Arbeit zu betrachten. Im Sinne einer Medienethik ist jeder Produzent vor der Wirkung seiner Inhalte verantwortlich. Praktisch haben die Gesetzmäßigkeiten der Tesla-Galaxis viele Medienproduzenten hervorgebracht, die ihre Inhalte auf den finanziellen Erfolg optimierten, nicht aber auf ethisch vertretbare Vermittlung des Inhaltes. Als Beispiel denke man an die verschiedenen Vertreter der so genannten Regenbogenpresse. In einem medialen Kontext, der die Bedingung der Publikation vom potentiellen Erfolg beim Rezipienten löst, haben Gestalter eine neue Möglichkeit zu beweisen, dass sie Verantwortung für den von ihnen produzierten Inhalt übernehmen. Dies bedingt auch die zweite Verantwortung, den eigenen Rezipienten als Individuum ernst zu nehmen, das bedeutet, seine Fähigkeit des eigenen Denkens zu fördern und seine Kritik und seine eigene kreative Arbeit zu akzeptieren.

5. praktisches Vorgehen

5.1. Synchronopse
Der praktische Teil der Arbeit stellt die Erkenntnisse, die ich in den ersten zwei Kapitel erläutert habe, grafisch dar. Die gebotene Thematik liefert dabei zwei Aspekte, die es zu bedenken gilt. Zum einen soll Verständnis dafür vermittelt werden, dass die Zusammenhänge der medialen Gesellschaft das Ergebnis einer langen Geschichte sind, wodurch ein gewisses festgefahrenes Verständnis einer medial aktiven Gesellschaft hervorgerufen wird. Zum anderen gibt es zu dieser Thematik viele verschiedene Faktoren, die erst in ihrem Zusammenspiel ein komplettes Bild ergeben. Um beide Aspekte gleich gut darzustellen habe ich mich entschieden, die einzelnen Fakten synchronoptisch aufzubereiten.

Das Mittel der Synchronopse wurde erschaffen, um die vielfältigen Faktoren und deren Interaktionen, aus denen sich der Fluss historischer Ereignisse ergibt, auf einem Blatt abbilden zu können. An einer Zeitleiste werden wichtige Eckpunkte der Geschichte in Text- oder Bildform an der Stelle angetragen, an der sie sich ereignet haben. So entsteht eine Karte von Ereignissen, die nicht unbedingt auf einem Blick alle Zusammenhänge erkennen lässt, auf der sich jedoch wie auf einer Landkarte Zusammenhänge und Entwicklungen erforschen lassen. Es stellt ein gedrucktes Medium dar, welches den Rezipienten zu einer aktiven Betrachtung anregt.

Dabei ist es mir ein Anliegen, nicht primär piktoral zu arbeiten, sondern die Gestaltung anhand ausgewählter messbarer Größen zu orientieren, die sich über die Geschichte der Medien erheben lassen. Da die grundlegende Veränderung der Zusammenhänge der medialen Gesellschaft auf der Demokratisierung der Produktions- und Distributionsmittel beruhen, habe ich mich darauf konzentriert, die Entstehungsgeschichte medialer Technologien und die Verbreitung ausgewählter Technologien in der Gesellschaft zu visualisieren. Aus diesen Entscheidungen und der Absicht den Zusammenhang zwischen den einzelnen Elementen darzustellen, habe ich die weiteren gestalterischen Entscheidungen abgeleitet.

Obwohl in der Turing-Galaxis die geografische Herkunft einer medialen Produktion unerheblich ist, habe ich mich entschieden, die Grafik an der Grundgesamtheit „Deutschland“ zu orientieren. Der Grund liegt darin, dass unsere Vorstellung der Mediengeschichte und der Geschichte der medialen Gesellschaft eine europäische ist. Nicht zuletzt wäre es im zeitlichen Rahmen der Diplomarbeit nicht zu bewerkstelligen gewesen Statistiken, wie ich sich gesammelt habe für die ganze Welt zu sammeln – die Sammlung deutscher Statistiken hat sich als schwierig genug heraus gestellt.

Als Ursprung medialer Produktionsgeschichte habe ich die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg 1450 gewählt. (Wobei eine exakte Angaben, wann die Entwicklung abgeschlossen war, nicht möglich ist, da darüber keine Aufzeichnungen vorliegen.) Die Synchronopse selbst beginnt einige Jahre vorher (1417) und stellt damit klar, dass auch die Menschheitsgeschichte ein paar Jahre früher beginnt. Als Ende auf der jungen Seite der Untersuchung musste ich das Jahr 2007 wählen. Zwar wird diese Arbeit Anfang 2009 veröffentlicht, bis zum Schlusstand meiner Recherche standen aber nur wenige Daten für 2008 zur Verfügung. An der horizontalen Achse werden die Jahre dargestellt, wobei jedes Jahr einen Zentimeter Platz einnimmt. Auf der vertikalen Achse werden die Entwicklungen und der Stand ihrer Adaptionen in Bezug auf das jeweilige Jahr dargestellt.

5.2. Entwicklung der Medientechnologie

Ausgehend von einer Linie werden ab der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern medientechnologisch wichtige Ereignisse im Jahr ihrer jeweiligen Position angetragen. Jede neue Entwicklung wird dabei um einen Zeilensprung gegenüber der vorhergehenden nach unten versetzt, um den Fortschritt, den jede Entwicklung gebracht hat, zu würdigen. Um dennoch die Zeitpunkte vergleichen und ablesen zu können, führt ein Strich von der Entwicklung zur horizontalen Zeitleiste, auf der die Jahre angetragen sind. Ich habe mich dabei bemüht, nur solche medientechnologischen Entwicklungen auszuwählen, die eine echte Innovation darstellen, sowie Weiterentwicklungen, die die Art des Mediums grundlegend verändern. Zum Beispiel hat sich die Technik der Analogfotografie in vielen Entwicklungsstufen weiterentwickelt, von denen ich die ursprüngliche Erfindung des foto-chemischen Effektes, der die Grundlagen der Fotografie schafft, und den Filmentwicklungsservice, der die Grundlage für die Verbreitung der Fotografie unter Amateuren bereitstellt, ausgewählt. In Situationen, in denen es mehrere Entwicklungen von verschiedenen Personen gleichzeitig gab oder die eigentliche Entwicklung aus vielen seriell ablaufenden Innovationen bestand, habe ich den Zeitpunkt der Entwicklung an dem Zeitpunkt angesetzt, an dem die Technik „wie wir sie heute kennen“ erfunden wurde.

5.3. Entwicklung der Adaption, Auswahl
Die Visualisierung der Erhebungen zur Adaption der Medientechnik findet sich über der Zeitleiste. Um die verschiedenen Aspekte der Durchsetzung der Medientechnologien in der Gesellschaft zu visualisieren, habe ich sieben(einhalb) verschiedene Entwicklungen angetragen:

1. Die Anzahl der verschiedenen Buchdrucke (Monographien), die zu einer Zeit erhältlich sind.
Diese Zahl stellt die Zahl der Buchdrucke dar, die bis zum jeweiligen Stichjahr erschienen sind. Theoretisch stehen einem Bürger Deutschlands zum jeweiligen Zeitpunkt eben so viele Buchdrucke zur Verfügung, wie ich sie ermittelt habe. Praktisch bestehen Einschränkungen aufgrund der geographischen Verteilung verfügbarere Drucker und potentieller Leser.

2. Die Zahl der Neuerscheinungen deutscher Bücher.
Diese Zahl repräsentiert die deutschen Monographien, die in einem Jahr neu erschienen sind. Diese Zahl ist ein Indiz für die Produktionsrate, die die Gesellschaft hervorbringt.

Beide Zahlen über den Buchdruck stammen aus dem gemeinsamen Verbundkatalog deutscher Bibliotheken. Der Katalog tendiert natürlich dazu, für die letzten 50 Jahre wesentlich exakter und vollständiger zu sein, als für die Zeit davor, mit für ältere Jahre fallendem Vollständigkeitsanspruch. Nach intensiver Recherche hat sich die Datenbank allerdings als sehr gute Näherung an die tatsächliche

Entwicklung der Erscheinungszahlen erwiesen und stellte unter den erhobenen Datensätzen den vollständigsten dar.

3. Die Größe der deutschen Bevölkerung.
Sie stellt die Grundgesamtheit dar, in deren Zusammenhang alle anderen Daten zu sehen sind. Die Anzahl deutscher Drucke kann nur einen Sinn ergeben, wenn man sie im Zusammenhang mit der Anzahl an Menschen sieht, die diese Drucke schreiben und lesen können.

Die Zahlen für diese Statistik stammen aus verschiedenen Quellen. Für Jahrgänge ab 1871 stand mir eine lückenhafte Aufstellung des statistischen Bundesamtes zur Verfügung. Die Zahlen für frühere Jahrgänge habe ich aus verschiedenen Enzyklopädien ermittelt und Zwischenwerte daraus errechnet.

4. Die Anzahl der Deutschen, die über einen Fernsehanschluss verfügen.
Sie ist ein Indiz für die Anzahl der Deutschen, die in der Tesla-Galaxis als Medienkonsumenten auftreten.

Die Zahlen hierfür wurden mir von der Media Micro Zensus GmbH bereit gestellt, auf deren Statistiken die Arbeit deutscher Fernseh- und Medienforschungsinstitute basiert. Abgeglichen habe ich sie mit den wenigen Werten, die mir vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung standen. Zu diesen Zahlen, die leider erst ab 1970 vorlagen, konnte ich noch einige aus der Sekundärliteratur von Dieter Prokop hinzufügen.

5. Die Anzahl der Deutschen, die über einen Internetanschluss bzw. Breitbandanschluss verfügen.
Diese Zahl ist ein Indiz für die Anzahl der Deutschen, die als Medienproduzent/konsument an der Turing-Galaxis teilnehmen.

Die Zahlen hierfür konnte ich aus der Reihe zur Informations- und Kommunikationstechnologie in deutschen Haushalten des Statistischen Bundesamtes ermitteln.

6. Die Anzahl der registrierten .de-Domains
Sie ist ein Indiz für den durch und für Deutsche generierten Inhalt der Turing-Galaxis. Analog zur Anzahl erschienener Buchtitel repräsentiert sie nur die Anzahl der .de-Domains, nicht ihren Umfang.

Die Zahlen hierfür lassen sich auf der Seite der zentralen Registrierungsstelle für alle Domains unterhalb der Top Level Domain .de, DENIC einsehen.

7. Die Anzahl der Medienproduzenten.
Sie ist ein Indiz für die Anzahl derjenigen Menschen, die in der medial aktiven Gesellschaft als designierte Medienproduzenten hervortreten. Interessant wird die Darstellung, wenn man sie im Vergleich zur Anzahl der Medienkonsumenten sieht, da aus der geringen Anzahl der Meidenproduzenten das Vorhandensein einer Knappheit an Produktions- und Distributionsmittel erkennbar wird.

Die Daten hierfür stammen aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Die Zahl setzt sich zusammen aus den Erwerbstätigen in den Branchen Verlagsgewerbe, Werbung, Film- und Videofilmherstellung, -verleih und -vertrieb, Filmtheater, Hörfunk- und Fernsehanstalten, Herstellung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen, Korrespondenz- und Nachrichtenbüros sowie selbstständige Journalisten.

5.4. Entwicklung der Adaption, Darstellung
Die Darstellung der Zahlen basiert auf Rechtecken von 1 Zentimeter Breite und 0,18 cm Höhe. Eines dieser Grundelemente steht dabei für jeweils 300.000 „Einheiten“ der jeweils gemessenen Größe: 300.000 Bücher, 300.000 Deutsche, etc. bei einer Teilung in 300.000 Einheiten sind für die kleinste Größe (Medienproduzenten) gerade noch Unterschiede zwischen einzelnen Jahren erkennbar und die größten Daten (Bevölkerung) ließ sich auf den mir zur Verfügung stehenden Papier noch gut darstellen.

Da trotz des breit angesetzten Verständnisses des Begriffes „Medienproduzenten“ die resultierende Zahl sehr klein war, habe ich mich entschlossen, diese Zahl für schwache Jahre soweit aufzurunden, so dass die Darstellung mindestens eines Grundelements für jedes Jahr gewährleisten ist, in dem es Medienproduzenten gegeben haben muss. Dies gab mir die Möglichkeit, die Darstellung der Medienproduzenten mit dem Beginn der Produktion von Medien zu beginnen. Die gleiche Verfahrensweise habe ich für die frühen Jahre der Verbreitung des Fernsehens angewandt.

Die farbliche Kodierung (siehe Legende) und Transparenz der einzelnen Elemente ist so gewählt, dass trotz übereinander liegender Grafen stets alle einzelnen Werte ablesbar bleiben. Die Elemente, die für eine potentiell medienproduzierende Größe stehen, sind dabei in in der Fläche eingefärbt, die Elemente, die für eine tendenziell medienkonsumeriende Größe stehen, sind in der Kontur eingefärbt.

Es gibt eine Ausnahme für die Regel, die Elemente in 300.000 Einheiten pro Element einzuteilen. Um der Darstellung der neu erschienen Buchdrucke mehr Ausdruck zu verleihen, habe ich dort eine Einteilung in 300 Einheiten pro Element vorgenommen. Um den Unterschied auch in der Grafik ersichtlich zu machen, bestehen die einzelnen Elemente nicht aus einer kompletten Konturlinie eines Standard-Rechtecks, sondern nur aus der unteren Linie. Die damit gebrochene Konsistenz in der Darstellung wird durch die im Standard-Maßstab aufgetragene Größe der insgesamt erhältlichen Buchdrucke kompensiert. Der Vorteil der Darstellung liegt darin, dass sich anhand eindeutiger Ausschläge interessante Zusammenhänge zwischen der Produktivität der Buchbranche und der deutschen Geschichte erkennen lassen.

5.5. Zeitstrahl
Das letzte grafische Element besteht im Zahlenstrahl selber. Die Farben, mit denen die einzelnen Jahreszahl unterlegt sind, tragen eine Kodierung, die sich an gleichzeitig geführten Kriegen zur Zeit im jeweiligen Jahr orientiert. Für jeden Krieg, der auf europäischem Boden stattgefunden hat, wurde das Jahr mit 10% Mangenta gefüllt, für jeden Krieg, der außerhalb europäischen Bodens stattgefunden hat, wurde das Jahr mit 10% Cyan gefüllt. Im Resultat erscheinen Jahre, in denen die Kriegstätigkeit in Europa stark war, deutlich Mangenta eingefärbt, solche, in denen die Kriege außerhalb Europas statt gefunden haben, deutlich Cyan eingefärbt. Jahre,, in denen Kriegstätigkeit sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas stattgefunden hat, tragen eine violette Färbung.
Diese Statistik hängt nicht direkt mit der Geschichte der Medientechnologie zusammen, vermittelt richtig interpretiert aber Zusammenhänge, die anders schwer darstellbar sind. Kriege stellen immer eine Information dar, über die in Medien berichtet wird. Von Kriegen, die außerhalb Europas stattfinden, können deutsche Bürger nur durch Medien erfahren, eine eigene Erfahrung von bewaffneten Konflikten ist nur möglich, wenn diese im eigenen Land stattfinden.
Auffällig ist, dass bis Mitte des 18. Jahrhunderts die starke Mehrheit der Kriege auf europäischem Boden ausgefochten wurde, danach verstärkt außerhalb. Dabei gilt zu beachten, dass die Zahl der gleichzeitig gemessenen Konflikte mit der Zeit tendenziell steigt, was nicht bedeutet, dass die Zahl der gleichtzeitig ausgefochtenen Konflikte mit der Zeit steigt. Anfang des 15. Jahrhunderts war die bekannte Welt und damit auch die gemessenen Konflikte nicht viel größer als Europa selbst. Erst im 15. Jahrhundert wird die Grundgesamtheit, auf der die Beobachtung von bewaffneten Konflikten beruht, mit der heutigen vergleichbar. Die Eigenart, auf die die europäischen Mächte zu „entdecken“ pflegten, zerstörte dabei unwiderruflich die Aufzeichnungen über eventuelle kriegerische Konflikte auf dem neu entdeckten Boden – und führte direkt einige eigene kriegerische Konflikte hinzu.

Durch die Wahl der Größe der Gestaltungsform der verschiedenen darzustellenden Daten ergibt sich eine Größe für die gesamte Synchronopse von 1,50 m auf 6 m. Durch die Größe der Darstellung sind Feinheiten wie die Anzahl der Medienproduzenten gerade noch darstellbar, und dennoch ist eine Entwicklung über die gesamte Zeit erkennbar.

5.6. Interpretation
Neben der Darstellung der Information war es mir ein Anliegen, die besondere Bedeutung der Rechercheergebnisse darzustellen, also eine Interpretation der Daten zu liefern. Da diese Interpretation einen stärker subjektiven Charakter hat, ist sie vom gedruckten Medium der Synchronopse getrennt durch ein anderes Medium dargestellt. Um dennoch einen Zusammenhang zu der gedruckten Grafik herstellen zu können, habe ich beschlossen, die Interpretation als digitale Projektion auf die Synchronopse zu legen. Dadurch kann ich durch Hervorhebung einzelner Teile der Synchronopse direkt auf sie Bezug nehmen und zugleich die durch die Art der Entwicklung großen Freiräume als Projektionsfläche nutzen.

Die Präsentation enthält eine gekürzte Version der von mir in dieser Theorie dargelegten Gedankengänge der Demokratisierung der medialen Produktions- und Distributionsmittel sowie ihre Bedeutung für die Gesellschaft und einen Ausblick auf die Rolle des Gestalters in dieser Gesellschaft. Die Texte sind auf wenige Sätze gekürzt, die die Kernthesen tranportieren. Ergänzt werden sie durch Symbolbilder, die das Verständnis der Hypothese fördern.

6. Glossar

Arpanet: „Advanced Research Projects Agency Network“, erstes dezentrales Netzwerk, entwickelt vom Massachusetts Institute of Technology und dem US-Verteidigungsministerium, gilt als der Vorläufer des Internets.
Browser: Computerprogrammm, das der Darstellung verschiedener Inhalte des Internets dient.

CERN: Europäische Organisation für Kernforschung, eine Forschungeinsrichtung in der Nähe von Genf, an der physikalische Grundlagenforschung betrieben wird.

HTML: Hypertext Markup Language, Beschreibungssprache zur Erstellung von Hypertextseiten im World Wide Web.

TCP/IP: Transmission Control Protocol/Internet Protocol, eine Reihe von Protokollen und Standards, die dazu beitragen, dass unterschiedlichste Computer (verschiedene Betriebssysteme etc.) im Internet kommunizieren können.

7. Literaturverzeichniss

Anderson, Chris (2008): The long tail. Why the future of business is selling less of more. New York: Hyperion.

Bock, Wolfgang (20XX): Bild – Schrift – Cyberspace. Bielefeld: Aisthesis.

Brockhaus-Enzyklopädie. 19., völlig neu bearb. Aufl. (1986). Mannheim: Brockhaus.

Debatin, Bernhard (2003): Kommunikations- und Medienethik. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft; UVK-Verl.-Ges. (Kommunikationswissenschaft).

Faulstich, Werner (2005): Filmgeschichte. Paderborn: Fink (UTB).

Haupt, Arthur; Kane, Thomas T. (1999): Handbuch Weltbevölkerung. Begriffe, Fakten, Konzepte. Erw. dt. Erstausg. Stuttgart: Balance-Verl.

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Prokop, Dieter (2001): Der Kampf um die Medien. Das Geschichtsbuch der neuen kritischen Medienforschung. Hamburg: VSA-Verl.

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